Warum selbstständig?

Wichtige Entscheidungen im Leben zu treffen, fällt oft nicht gerade leicht. Was sagt der Bauch? Was sagt der Kopf? Und wer von beiden hat bloß Recht?!

Mein persönlicher Kopf-Bauch-Kampf dauerte tatsächlich Monate. Während Bauch eigentlich schon recht früh wusste, was er wollte, geriet Kopf ziemlich in Panik und ignorierte Bauch hartnäckig.

Ich war gerade erst in meiner ersten Festanstellung angekommen, lernte die Abläufe und Gepflogenheiten kennen und trotzdem sagte mir meine Intuition bereits nach wenigen Wochen: “Das ist es irgendwie nicht!”… Lange konnte ich nicht so recht beschreiben, woher diese Intuition kam – meine Kollegen waren super lieb, die Arbeit war abwechslungsreich … und trotzdem wollte ich nicht so recht hineinpassen.

Den Versuch in Worte zu fassen, was dabei heraus kam, als Kopf endlich anfing auf Bauch zu hören, seht ihr hier:

  1. Mein “Das ist es irgendwie nicht!”, hatte seinen Ursprung vor allem in den  Projekten, die im Büro bearbeitet wurden. Ich hatte erwartet, enorm viel im Bereich Produkt- und Grafikdesign zu lernen, was allerdings nahezu völlig ausblieb. Stattdessen arbeiteten wir im Bereich Event und Ausstellungsgestaltung – auch interessant, aber eben nicht die Richtung, in die ich mich und meine Skills entwickeln wollte. Gelernt habe ich zwar viel, aber nicht das, was ich mir versprochen hatte. Zudem merkte ich, dass mir die Event-Projekte überhaupt keinen Spaß machen wollten, was natürlich zusätzlich frustrierte.
    Kurzum: falsche Erwartungen und ausbleibender Lerneffekt.
    Von einem eigenen Business erhoffe ich mir, iiiirgendwann in der luxuriösen Position zu sein, nur noch an Herzensprojekten und mit Wunschkunden zusammen arbeiten zu können. Ein langer und weiter Weg, schon klar. Aber ich meine… wie genial wäre das denn bitte?!?! 😀 Für dieses Ziel bin ich durchaus bereit, mir den Allerwertesten aufzureißen! ^^
  2. Eigentlich würde ich von mir behaupten, keine Probleme zu haben, mich an gegebene Strukturen anzupassen und mich in neuen Situationen schnell an bestehende Abläufe und Gepflogenheiten zu gewöhnen. Ich KANN mich durchaus anpassen, WILL aber schlicht und ergreifend nicht. Klingt erst mal ziemlich bockig, ich weiß. ^^ Wenn sich eine Arbeitsweise als großartig und extrem effizient herausstellt, nehme ich diese selbstverständlich dankend an und adaptiere so gut es es geht!!! Aber ich möchte mir einfach keine Arbeitsweisen angewöhnen, die ich für ineffizient und kaum zielführend halte. Zum Design gehört eben auch, Strategien und Wege zu entwickeln, die funktionieren. In der Kreativbranche arbeitet jeder ein bisschen anders und nutzt verschiedene Tools und ich möchte einfach die Chance haben, die optimale Arbeitsweise für mich (sowohl mit als auch ohne Team) zu entwickeln und nutzen zu dürfen.
  3. In mir wuchs zudem das Bedürfnis, meine Arbeitszeiten freier gestalten zu können. Mal angesehen davon, dass ich Routine und einen immer gleichen Alltag hasse ^^, bin ich der Meinung, dass Kreativität nichts ist, was auf Knopfdruck oder zu einer bestimmten Uhrzeit passiert und glaube, dass jeder kreative Hochs und Tiefs hat.
    Diese Phasen möchte ich besser in meinen Prozess integrieren können. Heißt konkret: Wenn mir nachts um 1 Uhr DIE Idee kommt und ich in einen Arbeits-Flow rutsche, will ich den nutzen können. Während meiner Zeit in der Festanstellung habe ich diese Hochs in der Nacht oder am frühen Morgen rigoros abgewürgt – einfach weil es in nicht bezahlter, also meiner Freizeit passierte.
    Andersherum: Mir um 14 Uhr im Büro völlig unmotiviert in meinem Mittagstief innovative Ideen aus dem Ärmel schütteln zu müssen, weil sich der Uhrzeiger nun mal in dem Abschnitt meiner festgelegten Arbeitszeit befindet, ist anstrengend, demotivierend und selten von Erfolg gekrönt.Ich habe den starken Wunsch, mehr auf meine innere Uhr hören und meine kreativen Hochphasen nutzen zu können, wann immer sie kommen und die Arbeit so für mich einfacher, angenehmer und effizienter gestalten zu können.
    Das kommt nicht nur mir zugute, sondern letztendlich auch dem Kunden, weil ich so in der Lage bin, Projekte reibungsloser und zeitsparender abzuwickeln.Zwar glaube ich, dass ich für mein eigenes Business zeitlich gesehen mehr arbeiten werde als in der Festanstellung, aber eben selbstbestimmter und flexibler.
  4. Auch ein gelegentlicher Tapetenwechsel kann beim kreativen Arbeiten umgemein gut tun! 2017 habe ich die Möglichkeit, von verschiedenen Orten aus arbeiten zu können, unheimlich genossen (genaueres im Beitrag “10 facts about my 2017”) und bin ehrlich gesagt auch einfach nicht der Typ, den es lange an einem Ort hält. Mein Fernweh soll mich ab und zu auch einfach packen dürfen und mich da hin tragen, wo es mich eben gerade hin zieht. Neue Orte, Kulturen und Menschen kennenzulernen ist die pure Inspiration und ich bin sehr dankbar, dass das einzige Werkzeug, das ich zum Arbeiten brauche – mein Laptop – in meinen Reiserucksack passt.
    Keine Sorge, ich werde nicht zum hardcore Digitalen Nomaden, der nur noch vor den schönsten Stränden der Welt aus arbeitet ^^, … hm, obwohl… ;P
  5. Ich muss auch gestehen, dass ich mich in sehr strengen Hierarchien nicht ganz wohl fühle. Ich habe kein Problem damit, die jüngste oder unerfahrenste in einem Team zu sein und genieße es sehr, von anderen so viel wie möglich lernen zu können. Wenn ich aber die Möglichkeit habe, von Menschen zu lernen, mit denen ich auf Augenhöhe kommunizieren kann, wo ein ständiges Geben und Nehmen herrscht und sich jeder ohne Scheu auf seine ganz einige Art und mit seinem Spezialgebiet in eine Gruppe einbringen kann, ist das ein eher freundschaftliches Arbeitsklima, in dem ich das Gefühl habe, mich entfalten zu können. Ich habe riesig Lust mich in Co-Working-Spaces mit Kreativen und jungen Gründern über deren Weg und Erfahrungen auszutauschen.

 

Ich weiß, dass viele mein Bedürfnis nach dem Ausbruch aus festen und konventionellen Strukturen nicht nachvollziehen können und diese Art von Sicherheit und Routine brauchen und schätzen. Ich weiß auch, dass der Weg, den ich mir ausgesucht habe, ein extrem risikoreicher ist und natürlich immer die Gefahr besteht, dass ich damit auf die Nase falle – glaube aber, dass ich es mein Leben lang bereuen würde, nicht versucht zu haben, diesen Traum zu verwirklichen.
Und mal ehrlich, was soll schon passieren?! Wenn’s in die Hose geht, hab ich immer noch die Möglichkeit, in ein Büro zurück zu gehen, das gescheiterte Ding mit dem eigenen Business als Lebenserfahrung abzustempeln und draus zu lernen.
Ich sehe das Ganze eher als eine Art Experiment – ein Test, um herauszufinden, wie ich mich als mein eigener Chef schlage, wie schnell ich lernen kann, mich selbst zu organisieren, Akquise zu betreiben, Projekte abzuwickeln und am Ball zu bleiben.

Hiermit plädiere ich dafür, öfter auf den Bauch zu hören! ^^ Diese kleine Stimme – unsere Intuition – weiß nämlich, glaube ich, manchmal besser, was wir eigentlich wollen, als wir selbst. Und dem auf den Grund zu gehen, kann lebensverändernd sein!

Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr eher der Typ, der sich in einer Festanstellung wunderbar aufgehoben fühlt, oder schlummert in euch auch der Wunsch nach mehr Selbstbestimmung und Eigenständigkeit? Sind sich euer Bauch und euer Kopf einig? Schreibt mir! 🙂

 

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